Lernen, das wirkt: lernende Organisationen, Recruiting und Future Skills
Weiterbildung wirkt erst, wenn Menschen ihren Sinn erkennen. Recruiting wird datengetriebener – und genau das lohnt einen kritischen Blick. Und die Lücke zwischen Ausbildung und tatsächlichem Kompetenzbedarf schliesst sich nur, wenn Technologie und Eigeninitiative zusammenkommen. Drei Fragen, die digitale Bildung derzeit prägen, und drei Antworten aus der Praxis – festgehalten im Gespräch mit Florian Gnägi, Gründer von frentix und OpenOlat, rund um die LEARNTEC.
Digitale Lernplattformen sind in vielen Organisationen etabliert. Wo seht ihr aktuell den grössten strategischen Hebel: in der Effizienz von Weiterbildung, in der gezielten Kompetenzentwicklung oder im kulturellen Wandel hin zu einer lernenden Organisation?
Für mich sind es alle drei Bereiche, denn sie greifen unmittelbar ineinander. Echter Lernerfolg statt reinen Durchklickens entsteht nur, wenn Mitarbeitende den Sinn einer Weiterbildung erkennen und motiviert sind. Dabei stellt sich auch die Frage: Wer will die Kompetenz entwickeln – HR oder Mitarbeitende? Eine lernende Organisation schafft die Basis, damit sich beide einbringen und Lernen nah am Arbeitsalltag stattfindet.
Wenn Lernen und Leistungsbewertung zunehmend datenbasiert gesteuert werden: Wie verändert das die Art, wie Unternehmen Talente identifizieren, Kompetenzen einschätzen und Recruiting-Entscheidungen treffen?
Beim Recruiting sehe ich die datenbasierte Entwicklung durchaus kritisch. Wenn die KI den Lebenslauf schreibt und die KI ihn auswertet, misst man vor allem, wer sich gut präsentiert, nicht unbedingt, wo echtes Talent liegt. Ein Mensch ist mehr als eine Ressource, er bringt eine Geschichte mit, und Teams funktionieren, wenn der Mix stimmt. Genau solche komplexen Auswahlszenarien bildet Selectus durchdacht und nachvollziehbar ab, bewusst ohne KI. Die Entscheidung braucht am Ende den Menschen.
Wie können digitale Lernökosysteme dazu beitragen, die Lücke zwischen Ausbildung und tatsächlichem Kompetenzbedarf der Wirtschaft zu schliessen – Stichwort Future Skills?
Digitale Lernökosysteme können helfen, Kompetenzlücken zu erkennen und darauf abgestimmte Lernangebote bereitzustellen. Assessments, Einstufungen, verzweigte Lernwege oder Chatbots ermöglichen es, Lernen gezielter zu steuern. Gleichzeitig braucht es die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, den eigenen Bedarf zu erkennen und die richtigen Angebote oder Fragen zu finden. Know the gaps, know the target.
💡 Fazit:
Ob Effizienz, gezielte Kompetenzentwicklung oder Future Skills: Digitale Werkzeuge schaffen die Grundlage, doch Wirkung entsteht durch Sinn, Motivation und den Menschen, der entscheidet. Genau hier setzen OpenOlat und Selectus an und machen Lernen wie Auswahl nachvollziehbar, ohne die Verantwortung an die Technik abzugeben. Wer seine Ziele kennt und die passenden Werkzeuge klug einsetzt, schliesst die Lücke zwischen Anspruch und Kompetenz Schritt für Schritt.